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Ohne Kennzahlen geht es nicht
 
 Die meisten Existenzgründungen scheitern nicht an fachlicher Qualifikation, innovativen Ideen oder optimistischem Einsatz, sondern schlichtweg an Überschätzung der finanziellen Möglichkeiten. So dauert die Durststrecke bis zu den ersten Umsätzen in aller Regel länger als zunächst angenommen. Und wer seine letzten Geldreserven für Erweiterungsinvestitionen verwendet, spielt Vabanque und riskiert auch seine private Existenz. Denn: Die wenigsten Gründer haben ein Ausstiegskonzept nach dem Motto "bis hierhin und nicht weiter". Es gibt eindeutige Kennzahlen, die als Warnsignale frühzeitig zu erkennen sind:  
   
 1 Cash-Flow: Nicht die Gewinne sind in der Anfangsphase entscheidend, sondern die Zahlungsströme, also Ein- und Auszahlungen. Der sogenannte Cash-Flow zeigt an, inwieweit der Unternehmer ohne Fremdmittel auskommt.  
   
 2 Disposition: Er tägliche Blick auf die Bankkonten zeigt, wie viel Geld verfügbar ist, um fällige Zahlungen pünktlich zu leisten, vielleicht um die Einräumung von Skonti zu nutzen. Zur Liquidität gehören auch eingeräumte Kreditlinien. Zur Disposition zählen zudem die fortzuschreibende
Vorschau auf die voraussichtlichen Eingänge in den nächsten vier Wochen und die für diesen Zeitraum bereits feststehenden Zahlungsverpflichtungen.
 
   
 3 Deckungsbeitrag: Die Satire, dass ein Unternehmen zwar pro Stück einen ordentlichen Verlust hinnehmen muss, aber durch den großen Umsatz alles wieder wettmacht, ist keineswegs in einem mittelständischen Unternehmen entstanden. Es große Autowerke in Deutschland gegeben, die bei jedem produzierten Wagen Geld zusetzten. Und immer noch wird ganz unterschiedlich gerechnet. Eigentlich muss zwischen dem vom Kunden bezahlten Preis und den zurechenbaren Kosten für ein Produkt oder eine Dienstleistung eine deutliche Differenz verbleiben. Denn es gibt auch Fixkosten, zum Beispiel in der Verwaltung, die sich nicht direkt zurechnen lassen und doch umzulegen sind.  
   
4 Betriebsergebnis: Diese Kennziffer zeigt, ob ein Betrieb rentabel arbeitet. Für eine Grobeinschätzung reicht es, die Differenz zwischen Umsatz und allen betrieblichen Aufwendungen zu ermitteln. Der Saldo sollte positiv sein.  
   
 5 Eigenkapitalquote: Sie zeigt an, wie viel eigenes Geld der Unternehmer in seinen Betrieb investiert hat im Vergleich zum Fremdkapital. Für Banken und Sparkassen ist die Quote der Gradmesser für die Kreditwürdigkeit. Es gibt auch eine Formel: Eigenkapital dividiert durch Bilanzsumme mal 100. Nach den neuen Richtlinien, die als "Basel II" bekannt wurden, verlangen die Geldhäuser mindestens 20 Prozent, manche fordern sogar 50 Prozent.  
   
 6 Return on Investment: Der Begriff stammt aus den Investmentabteilungen der großen Geldinstitute und vergleicht wie auch immer geartete Anlageform mit der risikolosen Geldanlage in festverzinsliche Staatsanleihen. Auf die betriebliche Ebene übertragen, wird die Verzinsung des eingesetzten Kapitals - einschließlich stiller Beteiligungen und Bankkredite - am Betriebsergebnis gemessen. Auch dafür gibt es eine Formel: das zu erwartenden Betriebsergebnis plus Zinsen für das Fremdkapital dividiert durch die Bilanzsumme mal 100 ergibt den Return on Investment (ROI). Er sollte auf jeden fall höher sein als die zu Zahlenden Kreditzinsen. Banken, die neue Kredite bereitstellen oder sogar eine Beteiligung beabsichtigen, gehen von einem ROI von wenigstens 20 Prozent aus.  
   
 7 Schuldentilgungsdauer: Auch dieser durchschnittliche Wert ist für die Kreditinstitute von großer Bedeutung. Denn er besagt, wie lange ein Unternehmen braucht, um seine Schulden aus laufenden Einnahmen abzudecken. Deshalb werden alle Verbindlichkeiten zusammengezählt und durch den Cash-Flow dividiert, der im Jahresdurchschnitt nach Abzug der Investitionen verbleibt. Im Ergebnis sollte die Dauer vier Jahre nicht übersteigen.  

 
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