Nachfolger 
Damit der Nachfolger nicht den Stab verliert
 
Allein in diesem Jahr sind 76.000 mittelständische Betriebe reif für eine Nachfolge in der Geschäftsführung. Doch jede vierte Übergabe scheitert, und damit werden alljährlich 40.000 Arbeitsplätze vernichtet. Nachfolge sichert den Fortbestand des Unternehmens.  
Untersuchungen des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung belegen: Die schlecht vorbereitete Nachfolge entwickelt sich immer mehr zu einem Unternehmenskiller erstens Ranges. Allzu häufig werden überhaupt keine Regelungen getroffen für die Zeit nach dem Ausscheiden des Chefs.  
"Wenn erst der
Druck
von außen
die Nachfolge
regelt, ist sie
nicht mehr
ein souveräner
Akt"

Josef Kertesz
Chef der Unterneh-mensberatung Mana-
gement & Business Development
  Die Folge: Es werden nicht nur Arbeitsplätze vernichtet, sondern auch der Kapitalwert der betroffenen Firma. Denn mit der Betriebsaufgabe verzichtet der Eigentümer auf eine zusätzliche Alterssicherung, und auch das später hinterlassene Erbe reduziert sich um den Wert des Betriebes.
Der Unternehmensberater Josef Kertesz von Management & Business Development in Rihen hält eine frühzeitige Regelung der Nachfolge für die beste Lösung: "Der häufigste Fehler ist, dass die Nachfolge erst dann geregelt wird, wenn der Druck von außen kommt. In diesem Fall ist sie jedoch nicht mehr ein souveräner Akt. Der alte Inhaber scheidet mit dem Makel, dass sein Knowhow ungenutzt bleibt. Und der Neue startet mit der Hypothek der noch immer nicht gelösten Probleme.
"
Grundsätzlich sollte ein Unternehmen so organisiert sein, dass zu jeder Zeit ein Nachfolger den Faden aufnehmen kann, wenn der Inhaber plötzlich ausfällt.
 
  
  Durch einen Unfall zum Beispiel oder durch eine l a n g w i e r i g e Krankheit. Das ist gar nicht so selten. Immerhin erfolgt auf diese Weise jeder dritte Wechsel in der Geschäftsführung vorzeitig.  
  Der Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeigt, dass die Deutschen zu den dynastie-orientierten Nationen zählen. Den Erhalt eine Familienunternehmens stellen sie also vor wirtschaftliche Interessen, und so ist es heimischen Unternehmern am liebsten, wenn sie die eigenen Kinder das Geschäft übernehmen. Das Problem: Ein Urteil, in wieweit der Nachwuchs dazu geeignet ist, kann nicht wertfrei vorgenommen werden. Und werden Söhne und Töchter oft überschätzt, selten richtig eingestuft, mitunter auch unter Wert beurteilt. Kertesz rät deshalb, eine kompetente und vor allem unvorein genommene Persönlichkeit zur Ermittlung  
"Jeder dritte
Wechsel in der Geschäftsführung
erfolgt plötzlich
und vorzeitig"

Untersuchung des
Instituts für Mittelstandsforschung
eines Stärken-Schwächen-Profils des möglichen Nachfolgers heranzuziehen.
"Söhne und
Töchter werden
nur selten
richtig
eingestuft"
 

Eine solche Analyse ist ebenfalls erforderlich, wenn sich alternativ die Management-Buy-Out-Lösung anbietet, also das Unternehmen an geeignete Mitarbeiter abzugeben, gelegentlich auch unter Einschaltung einer Beteiligungsgesellschaft. Kertesz warnt indes davor, langjährige Beschäftigte als Anerkennung für ihren treuen Dienste als Nachfolger einzusetzen.

 
  
  

Warnsignale
 
Der Zeitpunkt der Übergabe ist gekommen wenn der Chef:

betriebliche Veränderungen scheut
die Einführung neuer Techniken
blockiert
Markt- und Management - Probleme
nicht mehr diskutiert

Wichtige Entscheidungen und deren
Umsetzung hinauszögert
Marktchancen nicht mehr wahrnimmt
Lösung
 

Als Möglichkeiten der Übergabe bieten sich an:

ein Familienmitglied als Nachfolger
einsetzen
die Verantwortung für den Betrieb
einem geeigneten Mitarbeiter
übergeben
die Firma verkaufen, verpachten oder
verrenten
einen Manager von außen mit der
Geschäftsführung betrauen

 
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