Private-Debt-Finanzierungen  
Kredite ohne Bank
 
Private-Debt-Finzierungen gibt es in unterschiedlichen Varianten. Die Spanne reicht vom einfachen Privatkredit bis zu 100-Millionen-Euro-Unternehmensanleihe. Hier die drei gängigsten Modelle für mittelständische Unternehmen.
 
Schuldscheindarlehen
 
 Es handelt sich um einen Kredit mit mehrjähriger Laufzeit, der durch eine Urkunde - Schuldschein oder Darlehensvertrag - unterlegt wird. Das Volumen beträgt meist mehrere Millionen Euro. Die Unternehmen müssen eine gute Bonität haben, da sie oft keine Sicherheiten stellen. Dafür kosten Schuldscheindarlehen mehrere Prozentpunkte mehr als Bankkredite.  
 Typische stille Beteiligungen  
 Das ist eine Einlage in das Geschäftsvermögen. Der Finanzier wird nicht Gesellschafter. Er erhält aber Informationsrechte, selten auch Mitspracherechte. Für die Dauer seine Engagements - in der Regel fünf bis sieben Jahre - kassiert der Kapitalgeber eine Kombination aus fester und gewinnabhängiger Verzinsung. Die Höhe schwankt zwischen acht und zwölf Prozent. Bei Insolvenz gilt Ranggleichheit.  
 Genussschein  
  Hierbei handelt es sich um ein Zwischenprodukt zwischen Aktie und Anleihe. Genussscheingläubiger haben Rechte wie Aktionäre, dürfen jedoch nicht mitbestimmen. Wie Anleihen haben die Papiere oft feste Laufzeiten von drei bis sieben Jahren sowie fixe periodische Zinszahlungen. Die Sätze liegen bei sechs bis zehn Prozent. Bei Insolvenz werden Genussscheine genauso behandelt wie erstrangige Kredite.  
    
»Private Debt ergänzt den Bankkredit« 
 Professorin Ann-Kristin Achleitner lehrt Gründer- und Unternehmensfinanzierung an der TU München.
 
 Frage: Sind private Kredite von Unternehmen der Ausweg aus der Finanzierungsklemme?  
 Achleitner: Zum Teil. Viele Banken schränken die Kreditvergabe vor allem an kleine Firmen ein. Auf diese Kreditquelle sollte sich kein Unternehmer mehr verlassen. Private Kredite von Unternehmern und institutionellen Investoren sind hier eine sinnvolle Ergänzung zum klassischen Bankkredit.  
 In den USA ist Privat Debt gängig. Warum nicht im Fremdkapital-Mekka Deutschland?  
 Das hat historische Gründe. Die Firmenfinanzierung ist hier zu Lande seit jeher stark bankenorientiert, da die Zinsen im internationalen Vergleich immer sehr günstig waren. Es gab keinen Zwang, andere Quellen zu suchen.  
 Ist Kredit von einer Firma nicht viel zu riskant?  
 Grundsätzlich nicht. Die Ansprüche des Kapitalgebers und des Kapitalnehmers sind vertraglich vereinbart. Das schafft Sicherheit.  
 Die Anforderung der Kapitalgeber - etwa ein BBB-Rating - schaffen nicht viel Mittelständler.  
 In der Tat weist nur ein kleiner Teil der Mittelständler diesen sogenannten Investment-Grade auf. Viele Private-Debt-Investoren finanzieren jedoch auch Unternehmen mit einem Sub-Investment-Grade. Vorausgesetzt, das Geschäftsmodell ist überzeugend, die Risiken sind Überschaubar und sie werden dafür kompensiert.  
 Der Kredit wird teurer?  
 Ja, der Preis steigt mit dem Risiko.  
 Privat Debt gibt es meist erst ab fünf Millionen Euro. Warum?  
 Die Transaktionskosten sind meist noch sehr hoch. Preiswerter würde es durch Plattform- oder Pooling-Lösungen, die die Kreditwünsche kleinerer Unternehmen bündelt. Es gibt aber auch den Privatkredit direkt von vermögenden Unternehmern. Der kostet oft nur Zinsen.  
  Jetzt bieten auch Banken Private-Debt-Finanzierung an. Ist das noch privater Kredit?  
 Ja, den die Kreditgeber sind nicht die Banken, sondern private und institutionelle Investoren. Sollten die Banken aber auch individuelles und flexibles Private Debt anbieten, würde das dem Wettbewerb auf dem Kreditmarkt mit Sicherheit gut tun.  
 
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